Geschichte

Marokko konnte sich lange gegen die Besetzung des Landes durch eine europäische Kolonialmacht wehren. Mit der Besetzung Algeriens 1830 und Tunesiens rückte die Bedrohung immer näher. Schließlich konnte auch Marokko aufgrund von inneren Unruhen und zunehmender Staatsverschuldung gegen die Europäer nicht mehr Stand halten. Am 30. März 1912 unterzeichnete der amtierende Sultan in Fès den Protektoratsvertrag mit Frankreich, den „Vertrag von Fès“.  Dadurch verlor Marokko offiziell seine Unabhängigkeit, was zu Protesten und Aufständen der marokkanischen Bevölkerung führte. Frankreich wurde damit offiziell bis zum 02. März 1956 Protektoratsmacht in Marokko. Der französisch-spanische Vertrag vom 27. November 1912 teilte Marokko in zwei Protektoratszonen. Spanien erhielt kleine Gebiete im Norden (um die Städte Ceuta, Tetouan und Melilla) und im Süden Marokkos (heute Westsahara). Der Sultan blieb zwar das offizielle Oberhaupt des Landes, hatte aber nur noch eine repräsentative Funktion. Die Rituale und islamischen Verbote sollten durch die Gesetzgebung auch weiterhin geschützt werden und damit sollte für die Bevölkerung eine Illusion von Kontinuität entstehen, die das Ziel hatte die Bevölkerung zu beruhigen. Französisch wurde die offizielle Sprache in allen Verwaltungsstrukturen und politischen Instanzen Marokkos. Die französischen Siedler „Colons“ konnten Land zu Minimalpreisen kaufen und vereinnahmten entscheidende Positionen in Verwaltung, Wirtschaft, Bankwesen, Handel und Politik.

Volubilis – früher wohnten hier die Römer, heute die StörcheDas 1930 erlassene Berbergesetz „Dahir berbère“, das die Berber französischer Rechtsprechung unterstellte und das Ziel hatte Berber und Araber noch deutlicher zu trennen, löste den Widerstand der marokkanischen Bevölkerung gegen die Protektoratsherrschaft aus. Es führte zu Protesten von Arabern und Berbern und erreichte sogar die spanische Besatzungszone. 1934 wurde dann die erste politische Partei „Comité d’Action Marocain“ gegründet. Sie forderten eine Reformierung des Protektoratssystems. 1937 wurde dann die „Parti National“ gegründet aus der dann die „Istiqlal-Partei“ 1943 hervorging.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Aktionen vorübergehend unterbrochen. Die „Istiqlal-Partei“ forderte nun die Unabhängigkeit Marokkos und die Anerkennung des Sultans als Staatsoberhaupt. Die Partei wurde vom Sultan unterstützt und es kam zur Krise zwischen dem Palast und der Protektoratsmacht. 1953 wurden Sultan Mohammed V und sein Sohn ins Exil nach Madagaskar geschickt. Nach 27 Monaten kehrte Mohammed 1955 aus dem Exil zurück.

Die zunehmenden Aufstände und Proteste der marokkanischen Bevölkerung, verursachten innenpolitische Probleme in Marokko für die Protektoratsherrschaft. Hinzu kamen diplomatische Probleme, die Frankreich in der Welt zunehmend für die Erhaltung des Kolonialreichs kritisierten. Schließlich wurde Marokko 1956 in die Unabhängigkeit entlassen und Mohammed V. wurde Staatsoberhaupt.