Politik & Gesellschaft

Marokko ist eine konstitutionelle Monarchie, die von König Mohammed VI. als weltliches und geistliches Staatsoberhaupt regiert wird. Neben der höchsten staatlichen Kontrolle hat er auch die höchste Position der Geistlichen inne und ist zudem der Oberbefehlshaber der marokkanischen Streitkräfte. Er ist sowohl für die Ernennung des Kabinetts und seiner Mitglieder sowie des Ministerpräsidenten zuständig, kann aber auch jederzeit das Parlament auflösen und Neuwahlen ausschreiben, wenn er es als nötig befindet. Im Gegensatz zu anderen europäischen Monarchen hat der marokkanische König weitergehende Kompetenzen, wobei jedoch in der Praxis der jeweilige Ministerpräsident die politischen Tagesgeschäfte führt.

Reitergarde in RabatMarokko verfügt seit der Verfassungsreform von 1996 über ein parlamentarisches Zweikammersystem aus Nationalversammlung und Senat, was dem typisch europäischen Muster nachempfunden ist. Die Nationalversammlung besteht aus 325 gewählten Mitgliedern, welche alle fünf Jahre direkt gewählt werden. In der Nationalversammlung sind 30 Sitze nur für Frauen reserviert. Die Nationalversammlung kann dem Ministerpräsidenten mit einer Zweidrittelmehrheit das Misstrauen aussprechen. Der Senat besteht aus 270 Mitgliedern, die alle neun Jahre indirekt gewählt werden. Die vom Parlament verabschiedeten Gesetze bedürfen der Zustimmung des Monarchen. Dieser kann auch Gesetze zur Volksabstimmung vorlegen.

Die Judikative in Marokko orientiert sich stark an dem französischen Vorbild des Rechtswesens. Allerdings gilt im Familien- und Erbrecht das islamische Recht die Moudawana, die europäisches Zivilrecht enthält und auf die Schari’a-Gesetze des sunnitischen Islam zurückgeht.

Im Rechtssystem für Nicht-Muslime gibt es Sonderregelungen im Rechtssystem: für Juden gilt beispielsweise das talmudische Recht. Der Oberste Gerichtshof des Staates befindet sich in der Hauptstadt Rabat. Seine Richter werden vom König persönlich ernannt und können jederzeit von diesem auch wieder abgesetzt werden.