Bevölkerung

Marokkos Bevölkerung besteht aus knapp 34 Millionen Menschen, die zum größten Teil am nördlichen Küstenstreifen sowie nordwestlich des Atlas-Gebirges leben. Marokkos ursprüngliche Bevölkerung – wie auch die Tunesiens, Algeriens und vieler anderer Nationalstaaten Nordafrikas, sind Berber. Sie besiedelten die Region des heutigen Königreiches vor rund 6000 Jahren und leben heute noch als Halbnomaden oder Ackerbauern in den Bergregionen des Landes. Neben den Berbern leben vor allem Araber in Marokko, welche in verschiedenen Einwanderungswellen in das Land kamen und zum Teil die vorgefundene Bevölkerung assimilierten. Die heutigen Araber leben meist in den großen Städten. Ebenfalls gibt es eine schwarze Minderheit – die so genannten Gnawa oder Haratin. Ihre Ankunft geht auf die Sklaverei des 11. Jahrhunderts zurück. Weiterhin leben rund 100.000 Ausländer im Land, welche meist aus Spanien oder Frankreich stammen.

Berber

Die ethnische Bezeichnung für Berber scheint eher eine Fremdbezeichnung von Händlern und Eroberern zu sein, als eine Eigenbezeichnung für Volk oder Sprache. Dem latainischen barbari, dem griechischen barabaroi oder dem arabischen barbar entlehnt, stand Berber meist für die barbarische Bevölkerung Nordafrikas – vom Nil bis zur Atlantikküste. Die ethnische Gruppe der Berber darf nicht als eine homogene Gruppe mit einer Sprache und Kultur angesehen werden. Allein in Marokko existieren mehrere unterschiedliche Sprachgruppen der afroasiatischen Berbersprache mit weiterhin sehr vielen Untersprachgruppen und Dialekten. Die Sprache der Berber wird allein innerhalb der Familie weitergegeben – das Erlernen einer Berbersprache in der Schule ist nicht erwünscht.

Araber

Nur rund ein Fünftel der Marokkaner sind arabischstämmig, die restlichen vier Fünftel sind Berber. Allerdings sind genaue Daten schwer zu bestimmen, da durch die Vermischung mit der arabischen Bevölkerung und die Arabisierungsmaßnamen der postkolonialen Zeit Kultur und Sprache der Berber zurückgedrängt wurden. Vor mehr als 1000 Jahren eroberten Beduinenstämme von der Arabischen Halbinsel aus riesige Gebiete in Nordafrika und Asien. Im Rahmen dieser Ausbreitung des Islams im achten Jahrhundert eroberten arabische Truppen die Region. Sie waren von nun an die wichtigste Kraft für die kulturelle Entwicklung des Landes. Ihre Paläste und Moscheen gehören heute zu den imposantesten Bauten Marokkos. Auch wenn die Berber im Landesinneren ihre kulturelle Identität weitgehend behaupten konnten, so haben die Araber ihnen doch den Islam gebracht, zu dem sich heute 99 Prozent der Marokkaner bekennen.

Haratin

Bei den Haratin handelt es sich um freigelassene Sklaven, welche aufgrund ihrer Herkunft aus dem südlicheren Afrika eine schwarze Hautfarbe besitzen. Haratin (Singular: Hartani) ist ein vieldeutiger Begriff, der vor allem im gesamten arabophonen Bereich der Sahara und des Sahel Oasenbauern bezeichnet, die in Abhängigkeit zu einem Nomadenherren stehen. Diesem gehörten die Pflanzungen, Felder und Palmenoasen in denen die Haratin zu arbeiten hatten – einem Feudalverhältnis recht ähnlich. In Marokko leben Haratin heute vor allem im Süden des Landes – nahe den Grenzregionen zur Westsahara und Mauretanien. Sie haben vor allem das Arabisch als Sprache angenommen und haben sich somit bewusst gegen eine Berbersprache entschieden. Nach wie vor sind Haratin Vorurteilen und Diskriminierungen ausgesetzt (dies aber vor allem in Mauretanien). Allein durch ihre Hautfarbe und unbestimmte Herkunft – bis auf die Zuwanderung als Sklaven ist darüber fast nichts bekannt, werden sie mit einem Alleinstellungsmerkmal stigmatisiert und auch gerne mit den Gnawa „in einen Topf geworfen“.

Gnawa

Auch die Gnawa sind eine ethnische Minderheit der ehemaligen Sklaven südlich der Sahara. Sie unterscheiden sich von den Haratin besonders durch ihre Glaubensvorstellung: die Gnawa verbinden ihrer Herkunft entsprechend Glaubensinhalte des Islam mit vorislamischen Praktiken des subsaharanischen Afrika, besonders aus dem alten Reich Mali. Dabei geht es im Groben um Geistmächte, die von den Menschen Besitz ergreifen können, wenn spezielle Ritualpraktiken hiergegen nicht durchgeführt werden. Dazu gehören vor allem Musik und Tänze, wofür die Gnawa und ihre Musik international bekannt sind. In Essouira findet jährlich ein internationales Gnawa-Musikfestival statt. Beim Festival selbst ist der Weg der Religion aus der Tradition in die Moderne sehr gut nachvollziehbar zu erleben.

Spanier und Franzosen

In Marokko leben noch ca. 60.000 Ausländer – darunter sind die meisten aus Spanien und Frankreich. Nachdem das Land 1956 von den beiden ehemaligen Protektoratsmächten Spanien und Frankreich in die Unabhängigkeit entlassen und der souveräne Staat Marokko ausgerufen wurde, sind manche der früher in der Verwaltung tätigen Franzosen und Spanier im Land geblieben.